„Alte Burg“ – Zwingenberger Kulturlandschaft

Der Verein hat seinen Namen von der Zwingenberger Weinlage „Alte Burg“, die oberhalb der Altstadt Zwingenbergs liegt. Hier liegen der Schau-Weinberg „Serpentino“, den wir mit Hilfe des Biowinzerbetriebs „Feligreno“ bewirtschaften, sowie ein kleiner Waldgarten, den wir seit 2024 in einem ehemaligen Weinberg anlegen. Außerdem haben wir Magerwiesen, Streuobstwiesen, eine Orchideenwiese und verschiedene städtische Ausgleichsflächen in Pflege – einige davon bereits prämiert durch die Initiative „Tausende Gärten, tausende Arten“.

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Die „Alte Burg“ gehört, ebenso wie das „Steingeröll“, zu einer Reihe von Einzellagen der Weinlage „Auerbacher Rott“ des Weinanbaugebiets „Nördliche Bergstraße“. Die von uns gepflegten Flächen sind über ein größeres Gebiet rund um Zwingenberg verteilt, erstrecken sich also zum Beispiel auch bis in die Weinlagen „Kramersbuckel“ und „Steingeröll“.

In diesen Steillagen findet sich noch eine kleinstrukturierte und abwechslungsreiche Landschaft, die oft nur mit der Hand bewirtschaftet werden kann. Dadurch entsteht ein Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten wie Schlingnatter oder Hirsch-Haarstrang, die an den extremen Standort angepasst sind. Er ist gekennzeichnet durch Trockenheit, Nährstoffarmut, hohe Strahlungsintensität und Wärme.

Diese Art von Kulturlandschaft ist jedoch hochgradig gefährdet, da sie stark parzelliert ist und oft nicht wirtschaftlich bearbeitet werden kann. Was brach liegt, verbuscht schnell durch Brombeergebüsch und Schlehensträucher – fehlende Pflege führt schließlich zur Verwaldung. Dies wiederum hat einen Verlust von Lebensräumen und damit von typischen pflanzlichen und tierischen Bewohner zur Folge. Die Landschaft wird eintöniger und bietet weniger Biodiversität: weniger verschiedene Ökosysteme, weniger Arten, weniger genetische Vielfalt.

Deshalb bemühen wir uns hier um die Anlage und/oder den Erhalt kleiner Streuobstflächen und übernehmen die Pflege einer Orchideenwiese. Zwischen Weinbergen und Ort legen wir einen seit Herbst 2024 einen Waldgarten mit Hügelbeeten und Obststräuchern an.

Schau-Weinberg „Serpentino“

Der Schau-Weinberg „Serpentino“ bietet alten und neuen Rebsorten ebenso wie typischer Weinbergsflora und ‑fauna beste Entfaltungsmöglichkeiten. Er liegt in der Weinlage „Alte Burg“ oberhalb der Zwingenberger Altstadt.

Hier bauen wir seit 2019 neben Riesling, Spätburgunder und Scheurebe historische Rebsorten wie den Weißen und Blauen Elbling und den Schwarzen Urban an. Diese kombinieren wir mit Neuzüchtungen des 20. Jahrhunderts (Regent, Johanniter), die zu den sogenannten Piwi-Sorten zählen (= pilzwiderstandsfähig).

Alle Rebsorten sollen in Zukunft gemeinsam zu einem Wein ausgebaut werden. Der Anbau unterschiedlicher Sorten in einem Weinberg entspricht einer historischen Form des Weinbaus insbesondere von kleinen Weinbaubetrieben, der daraus entstehende Wein wird als „Gemischter Satz“ bezeichnet.

Unser Schau-Weinberg dient auch dazu, Unterschiede zwischen den Sorten wie Blattform und ‑farbe oder Wüchsigkeit direkt sichtbar zu machen. Informationstafeln sollen in Zukunft über die Rebsorten, das Terroir (Boden, Klima, Flora & Fauna) und den Weinanbau informieren.

Wichtig ist uns, den Schau-Weinberg nach ökologischen Methoden zu bewirtschaften (entsprechend dem „ecovin“-Zertifikat). Unmittelbar unterhalb des „Serpentino“ befindet sich eine kleine Streuobstwiese mit Apfel-, Kirsch- und Pfirsichbäumen, die wir im November 2020 gepflanzt haben.
Hier haben wir u.a. alte Apfelsorten ausgewählt, die schon 1915 im „Obstsortiment der Provinz Starkenburg“ der Landwirtschaftskammer für Zwingenberg empfohlen wurden: Brauner Matapfel, Minister von Hammerstein, Rheinischer Bohnapfel.

Wir hoffen, bald gemeinsam mit einem Glas des „Gemischten Satzes“ auf die Zwingenberger Kultur- und Naturlandschaft anzustoßen – zum Beispiel in der Museumsscheune des Geschichtsvereins oder auf dem alljährlichen Zwingenberger Weihnachtsmarkt. Wer mag, kann den Weinberg (meist) am Zwingenberger „Tag der offenen Gärten“ besichtigen.

Kramersbuckel & Steingeröll

Am Kramersbuckel haben wir einen aufgelassenen Weinberg gepachtet, der vor einigen Jahren gerodet wurde. An der trockenen Steillage mit herrlichem Blick auf das Auerbacher Schloss entsteht eine Magerwiese mit verstreuten Obst- und Walnussbäumen. Schlehe und Hagebutte bilden natürlich begrenzende Hecken und bieten Kleintieren Schutz.

Aufgrund der Steilheit und der Bodenbeschaffenheit ist der Standort trocken und nährstoffarm. Durch eine angepasste Mähstrategie wird die Verbuschung gestoppt und es wird ein Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten geschaffen, die mit den extremen Bedingungen zu Recht kommen. Auf den vorhandenen Terrassen haben wir Obstbäume gepflanzt, die oft besser mit trockenen Bedingungen zurechtkommen als Apfelbäume und in Zwingenberg früher häufig angebaut wurden, wie Aprikose und Quitte.

Neben dieser Trockenwiese kümmern wir uns am Kramersbuckel außerdem um verschiedene Ausgleichsflächen der Stadt Zwingenberg (siehe Kartenausschnitt links) – hier haben wir 2024 zur 750-Jahrfeier der Stadt Zwingenberg viele verschiedene Bäume gepflanzt: Mandel, Speierling, Kornelkirsche, Traubenkirsche, Vogelbeere.